Dauerhaftigkeit von befahrenen Flächen in Tiefgaragen und Parkhäusern

Befahrene Flächen in Tiefgaragen und Parkhäusern werden verschiedenen Belastungen ausgesetzt, die der Beanspruchung von Straßenbrücken
entsprechen und einen besonderen Schutz des Stahlbetons vor äußeren Schädigungsmechanismenwährend seiner Nutzungsdauer fordern.

dh2Die Auswahl der Schädigungsmechanismen orientiert sich an den für das Bauteil anzunehmenden Expositionsklassen der DIN-1045-2 (2008-08),
sowie an den speziellen Alterungsmechanismen polymerer Werkstoffe. Von besonderer Bedeutung ist die Verhinderung der Diffusion von Kohlenstoffdioxid CO2 in den Beton, das Eindringen chemischer Stoffe, sowie primär in diesem Fall das Eindringen von Chloriden als korrosives Medium des in den Beton eingebetteten Bewehrungsstahls.


Zum Schutz dieser Oberflächen von Stahlbetonkonstruktionen werden z. B. als Oberflächenschutzsysteme -kurz OS- polymerhaltige Beschichtungen
aufgebracht. Entsprechend DBVMerkblatt „Parkhäuser und Tiefgaragen“, Fassung Januar 2005, des Deutschen Beton- und Bautechnik-Verein e.V. werden hierfür Oberflächenschutzsysteme der Klasse OS 8, OS 11 bzw. OS 11a empfohlen. Die Auswahl des geeigneten Beschichtungssystems ist auf die maximal zu erwartende Rissbreite und die zu erwartende Rissbreitenänderung infolge Temperatur, sowie statischer und dynamischer Belastung abzustimmen.

Wobei sich OS 8-Beschichtungssysteme durch einen starren Aufbau nur für rissfreie Bauteile eignen (eine begleitende Rissbehandlung wird empfohlen), sind rissüberbrückende OS 11-Beschichtungssysteme in der Lage, vorhandene und nachträglich entstehende oberflächennahe Risse bis 0,3 mm unter Temperatur- und Lastbeanspruchung auch bei -20° C zu überbrücken.

Alternativ zu einem Oberflächenschutz gegen Chloride in Form einer OS Beschichtung ist z. B. der Einsatz von 30 mm Gussasphalt auf Zwischendecken und Bodenplatten (bzw. 60-70 mm auf Dachdecken) auf 1 Lage Schweißbahn in Verbindung mit einer EP-Grundierung möglich.
Als weitere Alternative kann entsprechend dem Fachartikel von Claus Flohrer aus der Zeitschrift Beton, Ausgabe 6/2006 „Befahrene Flächen in Parkhäusern und Tiefgaragen“ bei wasserundurchlässigen Bodenplatten in Tiefgaragen auf ein Oberflächenschutzsystem verzichtet werden (für Einzelrisse sind zusätzlich abdichtende Massnahmen erforderlich). Die Konzeptionierung der durch Chloride in Form von Tausalzen beanspruchten Bodenplatten (ohne gewartete Oberflächenschutzsysteme oder Abdichtung nach ZTV-Ing) sind in Folge der Gefahr der  Bewehrungskorrosion und der wechselnd nass und trockenen Umgebungsbedingungen in die Exposionsklassen XC4, XD3 und bei freier Bewittung zusätzlich in die Klasse XF4 einzustufen. Entsprechend DIN 1045-2 ist für nicht frei bewitterte und befahrenen Flächen eine Mindestbetonfestigkeit C35/45 in Verbindung mit einem Mindestzementgehalt von 320 kg/m2 und einem Wasserzementwert von maximal 0,45 zulässig. Frei bewitterte Flächen sind bei einem empfohlenen CEM I mit einem C30/37 mit Luftporenbildner auszuführen. Entsprechend Tabelle 4, DIN 1045-1 ist zum Schutz des Bewehrungsstahls ein Nennmaß der Betondeckung von 55 mm (Mindestbetondeckung von 40 mm in Verbindung mit einem Vorhaltemass von 15 mm) einzuhalten. Diese Forderungen sind auch bei einer Bodenplatte mit OS 8 Beschichtung ohne planmäßig, regelmäßige Wartung sicherzustellen. Aufgehende Bauteile (Stützen und Wände) sind der Expositionsklasse XC3 und ggf. XF1 bei einer Mindestbetonfestigkeitsklasse C25/30 einzustufen. Die beschriebenen Maßnahmen am Stützenfuß sind ergänzend zu planen.

 
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